Was ist eine Laktoseunverträglichkeit

Milch in der Tasse

 Laktoseunverträglichkeit – Mode oder Krankheit?

 Interview mit Frau Verena Romeis Diplom-Oecotrophologin

Studio für Ernährungsberatung Dr. Ambrosius

Frau Romeis ist seit vielen Jahren als Ernährungsberaterin tätig und Mutter von 3 Kindern. Sie berät in Kooperation mit Ärzten betroffene Personen mit ernährungsabhängigen Erkrankungen, führt Gesundheitstage in Firmen durch und unterrichtet in Schulen. Ihre Ernährungsberatung ist von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt. Bekoemmlich-essen (b-e) hat ein Interview mit Frau Romeis zu dem Thema Laktoseunverträglichkeit, oder auch Laktosemalabsorption genannt geführt:

 

b-e: Hallo Frau Romeis! Ihre Berufsbezeichnung ist Oecotrophologin. Was stellt man sich darunter vor?

Frau Romeis: Oecotrophologie ist ein Studienfach der Ernährungslehre. Oecotrophologie ist im Gegensatz zum Ernährungsberater ein geschützter Begriff. Oecotrophologe darf sich nur nennen, wer an einer Universität oder einer Fachhochschule sein Studium abgeschlossen hat. Ich habe an der Universität in Bonn studiert. Die gesetzlichen Krankenkassen erkennen die Ernährungsberatung, die durch Oecotrophologen und Diätassistenten durchgeführt werden, an. D.h. es besteht die Möglichkeit, dass die Beratung der betroffenen Personen von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst wird.

 

b-e: Auf Ihrer Internetseite ist auch das „Studio für Ernährungsberatung Dr. Ambrosius“ zu finden. Was hat es damit auf sich?

Frau Romeis: Es handelt sich dabei um das größte deutsche Ernährungsberatungs-Netzwerk. Es besteht aus ca.150 Oecotrophologen und Diätassistenten. Alle Mitglieder sind so ausgebildet, dass ihre Ernährungsberatung von der Krankenkasse anerkannt wird. Der Vorteil dieses Netzwerkes ist der Wissenspool, auf den ich immer zurückgreifen kann, denn jedes Mitglied hat sein Spezialgebiet. So ist gewährleistet, dass auch bei schwierigen Krankheitsbildern eine optimale Beratung stattfindet. Regelmäßige Fortbildungen sind ein Muss für die Mitglieder.

 

b-e: Was ist eine Laktoseunverträglichkeit?

Frau Romeis: Das Merkmal einer Laktoseunverträglichkeit ist das Fehlen des Enzyms Lactase. Lactase ist notwendig um den Milchzucker, die Laktose, im Dünndarm aufzuspalten. Kann die Laktose nicht im Dünndarm aufgespalten werden, gelangt sie in den Dickdarm. Dort wird der Milchzucker von Bakterien zersetzt. Durch diese Zersetzung entstehen Fettsäuren, Kohlendioxid und Wasserstoff. Wobei Kohlendioxid die Blähungen verursacht und die Fettsäuren für den Durchfallreitz verantwortlich sind. Typische Symptome sind: Bauchschmerzen, Koliken und Durchfall. Etwa 20% der deutschen Bevölkerung ist von einer Laktoseunverträglichkeit betroffen.

 

b-e: Jeder von uns hat diese Symptome schon einmal gehabt. Auch ich kenne zeitweise das Gefühl von Bauchschmerzen oder Durchfall nach dem Genuss milchhaltiger Produkte. Woran erkenne ich, dass ich laktoseintolerant bin?

Frau Romeis:Laktose- bzw. die Milchzuckerunverträglichkeit bedeutet nicht unbedingt, dass ich nie wieder Milch trinken kann, es ist immer eine Frage der Menge. Jeder Mensch hat natürliche Begrenzungen an Lactase. Dies bedeutet, dass gesunde Menschen mehr Milchzucker und laktoseunvertägliche Menschen weniger Laktose vertragen. Deshalb ist es wichtig bei einem Anfangsverdacht, ein Essprotokoll zu führen, in dem ich vermerke, was und wieviel ich gesessen habe und in welcher Zusammensetzung. In dem Zusammenhang ist es wichtig, Besonderheiten des Tages zu notieren, wie z.B.: Hatte ich Stress oder wenig Zeit zum Essen. Auch wird vermerkt, was und wie viel ich getrunken habe. Dieses Essprotokoll ist für eine spätere professionelle Begleitung sehr wichtig.

 

b-e: Wie wird die medizinische Beurteilung durchgeführt?

Frau Romeis: Es gibt zwei Möglichkeiten. Die zur Zeit übliche Methode ist der Wasserstoff-Atemtest, der wie folgt durchgeführt wird: Als Referenzwert wird zuerst eine Atemprobe genommen, damit der Arzt weiß, wie hoch der Wasserstoffgehalt der Atemluft im Normalzustand ist. Dann trinkt der Patient 200 ml Wasser in dem 50 mg Laktose aufgelöst sind. Dies ist eine hohe Dosis. Daraufhin wird in bestimmten Zeitabständen eine Atemprobe zur Bestimmung der Wasserstoff-Konzentration in der Atemluft genommen. Durch die Zersetzung der Lakotse im Dickdarm entsteht Wasserstoff, der dann durch die Atemluft ausgeatmet wird. Wenn dann die Wasserstoff-Konzentration sich nach einem bestimmten Muster erhöht, ist das der Beweis für eine Laktoseintoleranz.

 

Die andere Methode ist die Messung des Blutzuckers. Dabei wird auch wieder die Laktoselösung getrunken. Dabei sollte sich im Körper der Milchzucker in Glukose und Galactose aufgespalten. Bei einem laktoseintoleranten Patienten geschieht dies nicht, das bedeutet, dass die Glukose, d.h. der Blutzucker nicht ansteigt. Nimmt der Arzt nach 2 Stunden nach Einnahme der Laktoselösung eine Blutprobe und der Blutzuckerwert ist nicht entsprechend angestiegen, so kann man von einer Laktoseunverträglichkeit ausgehen.

Für mich ist es auch immer wichtig, wie es dem Patienten nach diesem Test erging. Nicht bei allen Menschen kann man mit diesen Tests einwandfrei eine Unverträglichkeit bestimmen. Wenn sich Kunden darüber beklagen, dass es ihnen nach dem Test besonders schlecht ging, z.B. heftige Magen-Darm-Beschwerden, ist die Diagnose recht eindeutig. Die medizinische Untersuchung muss allerdings immer von einem Arzt durchgeführt werden.

Frau Romeis
Frau Romeis

b-e: Auf was muss ich bei der Arztwahl achten? Gibt es Spezialisten oder können die Tests auch Hausärzte durchführen?

Frau Romeis: Als Erstes wenden sich die Betroffenen an ihren Hausarzt, der je nach Ausstattung die Untersuchungen selber durchführen kann oder bei Verdacht an einen Spezialisten, wie z.B. Ernährungsmediziner, Gastroenterologen oder Internisten, die auf Magen-Darmerkrankungen spezialisiert sind, überweist.

 

b-e: Wie geht es nach dieser medizinischen Untersuchung für den Patienten weiter?

Frau Romeis: Nach der Diagnose möchten die Patienten wissen, wie sie sich ernähren können und nehmen mit mir Kontakt auf. Sie können sich vom Arzt eine Notwendigkeitsbescheinigung ausstellen lassen. Dieses ist eine Bescheinigung zur sogenannten rehabilitativen Ernährungsberatung, welche auch zur Abrechnung bei den gesetzlichen Krankenkasse benötigt wird.

Je nach Erkrankung ist während der Beratungszeit auch enge Zusammenarbeit mit dem Arzt notwendig. Für die Ärzte hat die Kooperation den Vorteil, dass sie die spezielle und individuelle Ernährungsberatung an eine Fachfrau/-mann abgeben können. Für den Patienten bedeutet die Beratung mehr Zeit für Gespräche, um die individuelle Ernährungsumstellung optimal durchzuführen, die für den Heilungsprozesse wichtig ist.

b-e: Vielen Dank Frau Romeis für diese Interview

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