Zöliakie und Glutenunverträglichkeit

Weizen

Ist Weizen gefährlich?

Oder habe ich eine Glutenunverträglichkeit?

 

Frau RomeisHier liest du ein Interview zum Thema Zöliakie, bzw. Glutensensivität. Wir haben dieses Interview mit Diplom-Oectrophologin Verena Romeis geführt. Wie schon im Interview zum Thema Laktoseintoleranz geschrieben, haben Oecotrophologen studiert und ihre Beratung ist von den Krankenkassen anerkannt.

b-e: Welcher Unterschied besteht zwischen einer Zöliakie und einer Gultensensitivität?

Frau Romeis: Zöliakie ist eine gut erforschte Autoimmunkrankheit. Die Glutensensitivität ist eine neuere Erkrankung, bei der Zöliakie ausgeschlossen wurde. Trotzdem wird eine Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens ohne Gluten erreicht wird. Die Glutensensitivität wird zur Zeit noch erforscht.

 

b-e: Dieser Hype wird auch durch verschiedene Berichte in Magazinen und Büchern geschürt. Inhaltlich wird vor den Gefahren des Weizens gewarnt, was halten Sie davon?

Frau Romeis: Tatsache ist, dass es eine Weizenallergie gibt. Bei einem Verdacht ist es am einfachsten, wenn man eine Zeit lang auf Weizen verzichtet und dann schaut, ob es einem besser oder schlechter geht. Durch einen Allergietest kann man das dann noch abklären. Studien zur Unverträglichkeit von Weizen sind mir nicht bekannt.

 

b-e: Mit welchen Untersuchungen stellt der Arzt eine Zöliakie fest?

Frau Romeis: Die Anamnese, also die Krankengeschichte, ist der erste Schritt. Z.B. welche Beschwerden liegen denn eigentlich vor? Danach kommt die aufwendige Diagnostik. Ganz wichtig dabei ist die Blutuntersuchung, die Serologie. Da wird nach Antikörpern gegen eigene Enzyme gesucht, welche der Körper bildet, da die Zöliakie eine Autoimmunerkrankung ist. Autoimmunerkrankung bedeutet, dass der Körper gegen sich selbst arbeitet, mit Bildung von Antikörpern. Wenn diese Antikörper vorhanden sind, ist dies schon ein ziemlich sicheres Zeichen einer Zöliakie.

 

Zusätzlich wird das Ergebnis noch mit einer Magenspiegelung abgesichert. Bei dieser Magenspiegelung  wird im oberen Dünndarm eine Gewebeprobe entnommen. Diese Gewebeprobe wird unter dem Mikroskop untersucht, um festzustellen, wie weit sich die Dünndarmschleimhaut verändert hat. Denn die Zöliakie ist eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Dabei sieht man, dass die Zotten des Dünndarms sich langsam zurückbilden, dadurch werden manche Nährstoffe nicht aufgenommen. Aus diesem Grund liegt meist auch ein Eisenmangel vor. Manche Leute haben auch schon Osteoporose, bevor eine Zöliakie festgestellt wird. Die Blutentnahme und die Magenspiegelung sind die wichtigsten Untersuchungen, um eine Zöliakie festzustellen.

 

Diese Untersuchungen werden von Gastroenterologen oder spezialisierten Internisten durchgeführt. Um den Verlauf der Krankheit zu kontrollieren, sollte sich der Patient nach 1 Jahr noch mal beim Arzt vorstellen. Auf jeden Fall sollten sich bis dahin die Symptome deutlich vermindert haben oder ganz verschwunden sein. Wenn nicht, wäre eine erneute Untersuchung empfehlenswert.

 

b-e: Man liest und hört zur Zeit ziemlich viel über das Thema Glutenunvertäglichkeit. Kann ich mich selbst testen, ob ich an einer Zöliakie oder einer Glutensensivität leide?

Frau Romeis: Nein. Die Untersuchungen sollten von Ärzten durchgeführt werden. In Deutschland leiden in etwa 0,5% bis 1% der Bevölkerung an Zöliakie, wobei die Krankheit meistens im Kindesalter beginnt. Es gibt weniger Neuerkrankungen unter Erwachsenen. Kinder haben aufgeblähte Bäuche, Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden und ganz oft auch Eisenmangel. Beim ersten Verdacht sollten Eltern mit dem Kind am besten zum Kinderarzt. Kinderärzten ist das Krankheitsbild der Zöliakie oft vertrauter als einem Allgemeinmediziner.

Bei Erwachsenen sind die Symptome meistens nicht so einfach einzuordnen, da sie oft sehr unspezifisch sind: Schwäche, Müdigkeit, Nährstoffdefizite, Depressionen, Migräne, Appetitlosigkeit oder ständiger Hunger, Knochenschmerzen, Hautausschlag. Eher selten treten die Magen-Darm-Probleme so in den Vordergrund.

 

b-e: Ist die Zöliakie ein lebenslanges Handycap?

Frau Romeis: Ja, die Zöliakie bleibt lebenslänglich. Ohne Behandlung ist Darmkrebs eine mögliche Folge. Die Ernährungsumstellung bei Kindern funktioniert meistens sehr gut, da die Eltern auf die Ernährung ihrer Kinder achten. Wird die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt, ist die erforderliche komplett glutenfreie Ernährung oftmals schwieriger durchzuführen, weil es Erwachsenen schwerer fällt, auf die gewohnten Speisen zu verzichten.

 

b-e:Auf was sollte ich noch beim Arztbesuch achten?

Frau Romeis: Man sollte darauf achten, dass man eine einwandfreie Diagnose bekommt. Denn die glutenfreie Ernährung bedeutet eine starke Umstellung für die betreffenden Personen und ist auch kostenintensiver. Es gibt noch die genetische Untersuchung. Dabei wird der Genmarker bestimmt. Also die genetische Grundlage der Zöliakie wird gesucht. 25% bis 30% der Bevölkerung sind genetisch prädisponiert, also haben die Gene zur Zöliakie, aber bei nur 2% bis 5% dieser Bevölkerungsgruppe bricht die Krankheit tatsächlich aus. Die alleinige Genbestimmung ist nicht sinnvoll, zusätzlich müssen die anderen Untersuchungen durchgeführt werden. Oft werden so nur Ängste geschürt. Verschiedene Stuhl-, Speichel oder Schnelltests werden auf dem Markt angeboten, die sind aber nicht geeignet um eine Zöliakie eindeutig zu bestimmen.

 

b-e: Woran erkennt man die Glutensensivität?

Frau Romeis: Die Glutensensitivität wird durch ein Ausschlussverfahren diagnostiziert. Man hat z.B. Weizenallergie und Zöliakie getestet und ausgeschlossen. Trotzdem können bei Menschen mit Magen-Darm Problemen, also Schmerzen, Durchfall, Verstopfung oder starken Blähungen, die dann auf alles oder fast alles Glutenhaltige verzichten, gesundheitliche Besserungen auftreten. Nach einiger Zeit kann dann unter Umständen wieder alles gegessen werden. Den genauen Grund solcher Krankheitsbilder kann man bisher nicht bestimmen, dafür gibt es zu viele Ursachen.

b-e: Vielen Dank für das Interview.

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